Die Schadenssanierung auf der A49 war ein logistischer Kraftakt. Diesel, Öl und Löschwasser mussten aufgefangen werden.
Schwalmstadt/Neustadt – Die Schadenssanierung auf der A49 nach dem Lkw-Brand vom Montag war ein organisatorischer und logistischer Kraftakt für alle Beteiligten. Am Ende ging es sogar schneller als gedacht: Die Autobahn konnte in Richtung Süden bereits am Donnerstagabend wieder für den Verkehr freigegeben werden.
Die größte Herausforderung habe darin gelegen, den entstandenen Umweltschaden so gering wie möglich zu halten, erklärt Frank Weber, Leiter für Abschleppdienst, Schwerlast und Verkehrsflächenreinigung beim Unternehmen „Abschleppdienst Amend“. Die Firma aus Grünberg war in dieser Woche tagelang mit einem Team und Spezialausrüstung vor Ort im Einsatz.

1000 Liter Diesel im Tank
Laut Fahrer seien die beim Unfall beschädigten Dieseltanks voll gewesen – knapp 1000 Liter. Dazu kamen Motor- und Getriebeöl, die ebenfalls ausgelaufen waren, berichtet Weber auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Feuerwehr musste mit mehreren Tausend Litern Wasser löschen. Das hatte zur Folge, dass sich die Betriebsmittel inklusive des Löschwassers großflächig verteilen konnten.“

Im ersten Schritt schieberten die Schadenssanierer das Regenrückhaltebecken (RRB) ab. Im Zulaufbecken wurden Ölsperren mit Ölwürfeln montiert. „Im Zulaufkanal wurde eine 1200er-Absperrblase gesetzt, damit weder der Löschschaum noch die Betriebsmittel in das Becken oder in offene Gewässer fließen konnten“, so Weber. Eine Absperrblase kann man sich prinzipiell wie einen Luftballon vorstellen: Die Blase wird in das Rohr gesteckt und mit Druckluft aufgeblasen, wodurch das Rohr vollständig abgedichtet wird.

Hunderte Liter Diesel und Öl traten bei der Havarie aus und vermischten sich mit dem Löschwasser. Um den Vollbrand des Lkw zu löschen, kamen 30.000 Liter Wasser und Schaum zum Einsatz. Diese gefährliche Emulsion floss in die Mittel- und Außenbankette und verbreitete sich über die Drainageleitungen in Richtung Regenrückhaltebecken, was eine akute Umweltgefahr darstellte und schnelles Handeln erforderte.
Enorme Schäden durch Hitze
Das Ausmaß der Schäden sei enorm gewesen, berichtet der Fachmann aus Grünberg. Die betroffene Fahrbahn wurde durch den über 1000 Grad heißen Brand vollständig zerstört. Die Drainageleitungen sowie Kanalsysteme waren stark betroffen und kontaminiert. „In der ersten Nacht von Montag auf Dienstag war unser Havarie- und Notfallmanagement mit einem Einsatzleiter und sechs Fachkräften plus Sanierungsbüro – einem Gutachter – im Einsatz.“
In enger Abstimmung mit der Wasserbehörde Marburg-Biedenkopf, dem Einsatzleiter der Autobahngesellschaft, dem Sanierungsbüro H&R sowie der Firma Amend seien sämtliche Maßnahmen geplant und unter gutachterlicher Begleitung Schritt für Schritt umgesetzt worden, erklärt Frank Weber.

Unmittelbar nach Abschluss des Feuerwehreinsatzes und der Bergung des Lkw-Wracks begann noch in der Nacht von Montag auf Dienstag die aufwendige Bodensanierung. Dabei wurde die stark deformierte Schutzplanke demontiert und abtransportiert. Über 100 Tonnen kontaminiertes Erdreich aus der Außenbankette mussten ausgebaggert und unter gutachterlicher Begleitung fachgerecht entsorgt werden. Anschließend erfolgten die Wiederverfüllung und die Modellierung sauberer Bereiche. Am Dienstag und Mittwoch wurde zusätzlich der Bereich der Mittelleitplanke vollständig saniert.
Alle Drainageleitungen, Kanaleinläufe sowie Kanäle bis zum Regenrückhaltebecken wurden gründlich gereinigt, das kontaminierte Wasser vollständig aufgenommen und fachgerecht entsorgt. Das Grünberger Unternehmen war drei Tage im Dauereinsatz, um alle Schadstoffe zu beseitigen.
Fahrbahn musste abgefräst werden
Parallel zu den Arbeiten der Schadenssanierer wurde die beschädigte Fahrbahn vollständig abgefräst und von Straßenbauern instand gesetzt.
Frank Weber ist mit der Arbeit seines Teams zufrieden: „Stolz bin ich auf die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern der Autobahn, den Behörden, dem Sanierungsbüro sowie unseren eigenen Leuten. In den vergangenen drei Tagen waren wir täglich mit mindestens vier bis fünf Personen dauerhaft im Einsatz, um der Lage Herr zu werden.“